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"Ich bin viele"

oder warum ich glaube, dass wir alle gespaltene Persönlichkeiten sind


Eine kurze Buchvorstellung


 

Vor einigen Jahren habe ich ein interessantes Buch gelesen: „Ich bin viele“ von Joan Frances Casey (Rowohlt-Verlag). Hier geht es um eine Frau die autobiographisch ihre eigene Traumageschichte aufarbeitet. Durch immer größer werdende Gedächtnislücken erfährt sie in der Therapie, dass in ihrem inneren verschiedene abgespaltene Persönlichkeiten das ruder über ihr Leben übernommen haben.

 

Als mir das Buch in die Hände viel,  war ich noch Medizinstudentin und habe nebenbei in der Psychiatrie gejobbt. Eine meiner Mitbewohnerinnen in meiner WG hatte von einer Frau erzählt die an einer "multiplen Persönlichkeit" litt.  Ich habe gelernt, dass es diese Diagnose offiziell nicht gibt (zumindest) in Deutschland. Die Wissenschaftler streiten sich ja allzu gerne immer wieder darüber ob etwas exisitiert oder nicht, je nach aktueller "wissenschaftlicher Beweisbarkeit“.

(En späterer Chef im Berufsleben fühlte sich in der Pflicht uns Ärzte daran zu erinnern, dass es „Traumata“ ja meist gar nicht gäbe. Die meisten Patientinnen würden im Grunde ihre Geschichten nur erfinden. Was soll mann/frau dazu sagen? )

 

Seit ich dieses Buch gelesen habe, weiss ich, dass es multiple Persönlichkeiten gibt. Ob anerkannte Diagnose oder nicht. Auch in meinem Klinikalltag im Umgang mit Patienten ist dies immer deutlicher sichtbar geworden, egal ob in der Suchtklinik, Schizophreniestation oder bei affektiven Störungen. Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen und weiter treu begleitet in den nächsten Studien- und Berufsjahren. Ich habe verschiedene Bücher über dieses und ähnliche Phänomene gelesen. Das Phänomen der „gespaltenen“ Persönlichkeit ist mir in veränderter Form immer wieder begegnet. Es ist ja heute zumindest wissenschaftlich anerkannt, dass wir verschiedene Persönlichkeitsanteile in uns haben, die eben mehr oder weniger miteinander verbunden sind. Man könnte auch sagen, innere Personas, die miteinander kommunizieren, oder auch nicht (im Falle einer völlig gespaltenen Persönlichkeit). Manche sprechen auch von „inneren Welten“. Es gibt den Begriff des „inneren Kritikers“ oder „inneren Antreibers“. Freud sprach von „Über-Ich, Ich und Es. In der Schematherapie  gibt es z.B. das „Eltern-Ich“ und „Erwachsenen-Ich“. Selbst in der spirituellen Welt spricht man von einem Selbst und dem Ego.... und nun gäbe es noch dutzende weitere Beispiele... ihr versteht aber worauf ich hinaus will. Und die verschiedenen Persönlichkeitsstörungen, wie Borderline (emotional-instabile Persönlichkeitsstörung)  oder die narzisstische Persönlichkeitsstörung sind offizielle Diagnosen. Diese repräsentieren letztlich aber auch einen Persönlichkeitsanteil, den wir alle in uns haben, der bei manchen Menschen so extrem ausgebildet ist, dass er quasi alle anderen (gesünderen) Anteil in uns "übergeht". Den betroffenen ist dies meist nicht bewusst. Die sozialen und zwischenmenschlichen Auswirkungen auf das Umfeld sind häufig aber nicht zu übersehen.

...unsere vielen Rollen:

Ja, auch ich bin viele. Mein Ego-Ich wird von verschiedenen Rollen bekleidet, der Mutterrolle, Arztrolle, Frauenrolle, Tochterrolle, dann bin ich ja auch noch übergeordnet viele: eine Träumerin, Idealistin, Künstlerin, Rebellin... und und und. In unserem inneren spaltet sich unsere Gefühlswelt in sogenannte Innere Kind-Anteile, da gibt es das "verletzte innere Kind", das "Sonnenkind" und das  " Schattenkind". Unser Selbstbild setzt sich eben ähnlich wie in einem Puzzle aus vielen verschiedenen Teilen zusammen. Wie erlebt ihr das? 

Wenn wir uns dieser inneren Spaltungen bewusst werden, ist das für viele Menschen ersteinmal bedrohlich, passt es doch gar nicht zu unserer Vorstellung eines gesunden, reifen Erwachsenen. Doch ich kann nur jeden ermutigen, mutig hinzusehen und sich Hilfe zu holen, in Form einer Therapie oder eines Coachings, wo ihr in vertrauensvoller Begleitung diese inneren Anteile nach und nach heilen und integrieren könnt, um wieder "Ganz" zu werden. Bzw. sich wieder "ganz" zu fühlen. Ich glaube, dass ausnahmslos alle Menschen eine mehr oder weniger ausgeprägte innere Spaltung von Persönlichkeitsanteilen haben, nicht immer ist das therapiebedürftig. Aber letztlich entscheidet jeder selbst über das eigene Bedürfnis heiler und glücklicher im Leben zu stehen.

 

...unsere Aufgabe bei der Persönlichkeitsentwicklung:

Auf meinem bisherigen Lebensweg habe ich für mich erkannt, dass viele meiner Puzzleteile nicht richtig zusammengefügt sind, bzw. manche Puzzleteile gar nicht zu mir gehören, oder verletzt und unreif sind und daher das Gesamtbild stören. Auf dem Weg zu einer gesunden Persönlichkeit ist es meiner Meinung nach wichtig sich die Puzzleteile einmal genauer anzusehen, neu zu sortieren, auszusortieren und so zusammenzufügen, dass ein harmonisches Gesamtbild entsteht mit einer mir eigenen inneren Ordnung (die in Harmonie mit der äußeren Ordnung ist). Verletzte Anteile in uns möchten gesehen und geheilt werden ( z.B. durch Innere Kind Arbeit). Das setzt Energien frei, die uns im Leben weiter bringen.

 

...kurz zum Buch:

In dem genannten Buch  "Ich bin viele" von Joan Frances Casey geht es letztlich genau darum. Die zu Beginn suizidale Erzählerin erkennt mithilfe einer Therapeutin, dass in ihr mehrere voneinander getrennte Persönlichkeiten schlummern, die abwechselnd ihr Tagesbewusstsein übernehmen und zu einem bis dato durchaus funktionierenden Leben beigetragen haben. Unser Gesammtbewusstsein sorgt immer dafür, dass wir irgendwie weiterleben können. Eine Kommunikation der Persönlichkeiten findet bei der Erzählerin nur im Unterbewusstsein statt (welches sich z.b. in Tagebucheinträgen zeigt). Das bedeutet für sie aber einen unheimlich großen Energieaufwand und führt zu immer häufigeren Gedächtnislücken und Funktionsstörungen. Manchmal "erwacht" sie in ihrem Auto und steht vor dem Haus einer Freundin und weiss nicht mehr wie sie hier hergekommen ist. Ein anderer Persönlichkeitsanteil hatte scheinbar in den Stunden davor das Gesamtbewusstsein übernommen und somit auch ihr Leben weitergelebt.

 

Die Heilungsgeschichte dieser Frau war für mich super interessant zu lesen und hat mir damals auch gezeigt wie wichtig es ist eine gute, vertrauensvolle Beziehung zum Therapeuten aufzubauen. Heute gibt es auch in Deutschland speziell entwickelte Therapieformen, z.B. die DBT für Borderline-Persönlichkeitsstörungen.

 

Absolute Leseempfehlung für alle psychologisch interessierten!

 

 


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https://www.zeitzuleben.de/affirmationen-ein-praktischer-weg-zu-wachstum-veranderung-und-heilung/

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