Bibliotherapie

Heilsame Geschichten als Unterstützung in Lebenskrisen

 

Bücher, Märchen, Fabeln, Gedichte und Geschichten aus den heiligen Schriften können heilsam sein, sie können uns zu neuen Erkenntnissen bringen, oder einfach vom

Alltag ablenken, uns beruhigen und Kraft geben. Auch bieten viele Romane thematische Inhalte, wie Krankheit, Liebeskummer oder andere Lebenskrisen, die betroffene Leser bei der Bewältigung unterstützen können.

 

Als Beispiel habe ich dir  "Eine Fabel für deinen Lebensweg" verlinkt.

Die Bibliotherapie, wird auch manchmal Poesietherapie genannt, und zählt zu den kreativen Therapiearten, zusammen mit Tanztherapie, Musiktherapie  oder Maltherapie.


Eine Geschichte zum Thema "Erlernte Hilflosigkeit"

Erlernte Hilflosigkeit, Geschichte, der angekettete Elefant, Bibliotherapie, heilsames Storytelling

Der angekettete Elefant

 

Als ich ein kleiner Junge war, war ich vollkommen vom Zirkus fasziniert, am meisten gefielen mir die Tiere. Vor allem der Elefant hatte es mir angetan. Wie ich später erfuhr, ist er das Lieblingstier vieler Kinder. Während der Zirkusvorstellung stellte das riesige Tier sein ungeheures Gewicht, seine eindrucksvolle Größe und seine Kraft zur Schau. Nach der Vorstellung aber und auch in der Zeit bis kurz vor seinem Auftritt blieb der Elefant immer  am Fuß an einen kleinen Pflock angekettet.

Der Pflock war allerdings nichts weiter als ein winziges Stück Holz, das kaum ein paar Zentimeter tief in der Erde steckte. Und obwohl die Kette mächtig  und schwer war, stand für mich ganz außer Zweifel, daß ein Tier, das die Kraft hatte, einen Baum mitsamt der Wurzel auszureißen, sich mit Leichtigkeit von einem solchen Pflock befreien und fliehen konnte. Dieses Rätsel beschäftigt mich bis heute.

 

Was hält ihn zurück?

Warum macht er sich nicht auf und davon?

 

Als Sechs-oder Siebenjähriger vertraute ich noch auf die Weisheit der Erwachsenen. Also fragte ich einen Lehrer, einen Vater oder Onkel nach dem Rätsel des Elefanten. Einer von ihnen erklärte mir, der Elefant mache sich nicht aus dem Staub weil er dressiert sei.

Meine nächste Frage lag auf der Hand: "Und wenn er dressiert ist, warum muss er dann noch angekettet werden?"

Ich erinnere mich nicht, je eine schlüssige Antwort darauf erhalten zu haben. Mit der Zeit vergaß ich das Rätsel um den angeketteten Elefanten und erinnerte mich nur dann wieder daran, wenn ich auf andere Menschen traf, die sich dieselbe Frage irgendwann schon einmal gestellt hatten.

Vor einigen Jahren fand ich heraus, daß zu meinemGlück doch schon jemand weise genug gewesen war, die Antwort auf die Frage zu finden:

 

Der Zirkuselefant flieht nicht, weil er schon seit frühester Kindheit an einen solchen Pflock gekettet ist.

 

Ich schloß die Augen und stellte mir den wehrlosen neugeborenen Elefanten am Pflock vor. Ich war mir sicher , daß er in diesem Moment schubst, zieht und schwitzt  und sich zu befreien versucht. Und trotz aller Anstrengung gelingt es ihm nicht, weil dieser Pflock zu fest in der Erde steckt.

Ich stellte mir vor, daß er erschöpft einschläft und es am nächsten Tag gleich wieder probiert, und am nächsten Tag wieder, und am nächsten... Bis eines Tages, eines für seine Zukunft verhängnisvollen Tages, das Tier seine Ohnmacht akzeptiert und sich in sein Schicksal fügt.

Dieser riesige, mächtige Elefant, den wir aus dem Zirkus kennen, flieht nicht, weil der Ärmste glaubt, daß er es nicht kann.

 

Allzu tief hat sich die Erinnerung daran , wie ohnmächtig er sich kurz nach seiner Geburt  gefühlt hat, in sein Gedächtnis eingebrannt.

Und das schlimmste dabei ist, daß er diese Erinnerung nie wieder ernsthaft hinterfragt hat. Nie wieder hat er versucht, seine Kraft auf die Probe zu stellen.

 

                                                                                                                aus  "Komm, ich erzähl dir eine Geschichte" von Jorge Bucay



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Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte

Das Leben ist eine komplizierte Angelegenheit. Nicht so sehr jedoch für Jorge Bucay, der als Psychotherapeut das Schwierige erklären muss. Er weiß, wie er Demian, dem neugierigen jungen Mann, der auf seine vielen Fragen allein keine Antwort findet, helfen kann – mit Geschichten: Sagen der klassischen Antike, Märchen aus aller Welt, sephardische Legenden, Sufi-Gleichnisse, Zen-Weisheiten aus Japan und China. Und sollte er wirklich einmal keine passende Geschichte in seinem riesigen Fundus haben, dann erfindet er eben selbst eine. »Bucays Buch ist voll von zauberhaften Geschichten, die einem helfen, sich selbst zu helfen.«

 

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